Mit Wasserkraft zur Gross National Happiness
MDG
7, MDG 8
Das kleine Himalaya-Königreich Bhutan verfügt über riesige Wasserressourcen.
Ein kleiner Teil davon wird mit österreichischer Unterstützung für die umfassende Elektrifizierung
des Landes genutzt. Dahinter steht die Ambition, bis 2020 alle BhutanerInnen
mit Elektrizität zu versorgen und so dem Staatsziel der „Gross National Happiness“
wieder einen Schritt näher zu kommen. Ehrgeiziges Vorzeigeprojekt ist dabei
das Kraftwerk Basochhu, bei dem neue Wege in der Finanzierung beschritten
wurden.
Foto: gb.steijn&hans.leitner
Elektrizität für Umweltschutz
Obwohl Bhutan über reiche Wasservorkommen verfügt,
werden derzeit noch immer 77% des gesamten Energiebedarfs über Brennholz
gedeckt. Vor allem in den Haushalten ist Holz die Energiequelle Nummer eins.
Der enorme
Holzbedarf zieht Umweltverschmutzung, Abholzung und dadurch Erosionsgefahr nach
sich. Eine flächendeckende Stromversorgung könnte diese Probleme rasch mindern.
Die bhutanische Energiepolitik konzentriert sich daher auf die Nutzung der
Wasserkraft und Versorgung der Bevölkerung über ein Leitungsnetz.
Solarenergie soll nur in abgelegenen Gegenden zum Einsatz kommen.
Nachhaltige
ländliche
Entwicklung
Gemeinsam mit der ÖEZA hat die bhutanische Regierung ein Programm
zur Verbesserung der Lebensbedingungen im ländlichen Raum erarbeitet.
Schwerpunkte dabei sind:
Um die Nachhaltigkeit der Investitionen
zu sichern, legt die ÖEZA auf Know-how Transfer und Einbindung
der Bevölkerung in sämtliche Planungen besonderes Augenmerk. Dieser Ansatz
kommt dem bhutanischen Verständnis von Regionalentwicklung sehr entgegen, denn
Entscheidungen über Investitionen fallen in Bhutan auf Ebene der „Geogs“ (Dorfgruppen
innerhalb eines Distriktes) im Diskussionsprozess zwischen der lokalen Bevölkerung
und Regierungsvertretern.
Außenministerin Plassnik bei der
Eröffnung der Unterstufe des Kraftwerks Basochhu
Foto: Hopi-Media
Neue Finanzierungswege
Im Zuge der gemeinsamen Strategie wurde Anfang der
90er Jahre der Bau des Kraftwerks Basochhu, des aktuell größten Projektes
der ÖEZA, festgelegt. Während derartige Infrastrukturprojekte früher vollständig über
Entwicklungshilfe-Mittel finanziert und nach Fertigstellung an die künftigen
Nutzer übergeben wurden, kamen bei Basochhu aber neue Finanzierungsmodell zum
Tragen. Für die erste Baustufe wurden lokale Baukosten und Geräte über Fördermittel
und einen ERP-Kredit bezahlt, und zusätzliche Kosten, die z.B. aus der Verzögerung
von Bauarbeiten entstanden waren, wurden zwischen der bhutanischen Regierung
und der ÖEZA geteilt. Beim seit 2002 laufenden Bau der unteren Staustufe wird
auf Mittel aus der Entwicklungszusammenarbeit gänzlich verzichtet, die Finanzierung
erfolgt über die österreichische Exportförderung. Das Finanzierungsmodell hat
sich als wegweisend für die verantwortungsvollen Beteiligung der Partner
vor Ort erwiesen. Erfreuliches Endergebnis: Im ersten Betriebsjahr produzierte
die obere Basochhu-Staustufe unter ausschließlich bhutanischem Management bereits
mehr als 100 Mio. KWh Strom. Bis 2020 soll ganz Bhutan mit Strom versorgt
sein. Mit den Erlösen aus dem Stromexport nach Indien ist die Finanzierung
von sozialen Programmen geplant.
Quelle: Das Außenministerium |