Die vergessenen Tonga - Ein Stamm in Not Quelle: ZDFwissen und entdecken (www.zdf.de)
Die Tonga konnten es nicht glauben, als sich ihre Lebensader plötzlich in
einen See verwandelte. Dieser verschlang nicht nur ihr Land und damit ihre
Hütten, sondern auch nihren Glauben an ein freidliches Leben am Ufer des
Zambesi. Niemand konnte den Tonga erklären, dass Elektrizität wichtiger sein
sollte als ihr Leben am Fluss, das zuvor im Einklang mit der Natur und den
Tieren
stattfand.
Die Umsiedlung
Auch ihr Gott Nyaminyami, der immer schützend seine Hand über die Menschen
am Fluss gehalten hatte, konnte das Schicksal der Tonga nicht abwenden. Auch
er schien gegen einen Gegner, der mit Mauern ganze Landschaften veränderte,
machtlos zu sein. So wurden die Tonga, als der Zambesi über die Ufer trat,
unfreiwillig umgesiedelt. Diese Maßnahme zerstörte nicht nur Dorfgemeinschaften,
sondern riss auch ganze Familien auseinander. Das Einzige was der Staudamm
den Tonga brachte, war eine ungewisse Zukunft.
Eine Schutzzone muss her
Um wenigstens den umgesiedelten Tieren die ersten Schritte in ihrem neuen
Leben zu erleichtern, wurde in den 60er Jahren der Matusadona-Nationalpark
gegründet. Es ist eine raue, felsige Gegend mit großen Wäldern entlang des
südlichen Ufers des Zambesi. Für den Menschen hatte das Land bisher keinen
wirtschaftlichen Nutzen, aber sie gingen dort auf die Jagd. Doch seit Matusadona
zum Nationalpark erklärt wurde, dürfen keine Tiere mehr geschossen werden.
Auch andere menschliche Eingriffe in die Natur sind dort streng verboten. Die
Regeln sind schwer umzusetzen in einem Land, dessen Bevölkerung überwiegend aus
armen Bauern besteht, die von ihren Feldern und ein paar Kühen abhängig sind.
Zudem kommen die wilden Tiere ihren Dörfern oft extrem nahe. Dabei stellen sie
nicht nur eine Bedrohung dar, sondern machen sich auch oft genug über die ohnehin
spärliche Ernte her. Die Dorfbewohner müssen sich sehr abmühen, um über die Runden
zu kommen.
Unabhängig von den Schutzgesetzen greifen die Menschen deshalb immer öfter
zu den Waffen. Man kann sagen, dass die zunehmende Armut den Nationalpark
bedroht. Ein weiteres Problem ist die nur schwer zu kontrollierende Wilderei,
die gravierende Auswirkungen auf so manche Tierart hat. So lebten in den
60er Jahren noch etwa 100.000 Spitzmaulnashörner im südlichen und zentralen
Afrika, Ende 1992 waren es nur noch 2500 Tiere.

Foto: Die Tonga hatten keine andere Wahl, als ihr Land zu verlassen
|